Am Montag laufen die Kampagnen, am Dienstag stehen sie still. Keine Vorwarnung, nur eine Meldung im Konto. Bei schweren Verstössen sperrt Google ein Konto laut den eigenen Richtlinien «bei Erkennung und ohne vorherige Ankündigung». Danach darf der Werbetreibende nicht mehr mit Google Ads werben. Reaktivierungen gibt es nur unter zwingenden Umständen, etwa bei einem nachweisbaren Irrtum.
Für KMU in der Deutschschweiz heisst das: Die Anfragen brechen über Nacht weg. Und immer öfter steckt dahinter ein Automatismus, den niemand kontrolliert hat. Böse Absicht spielt selten eine Rolle.
Dieser Beitrag zeigt an zehn konkreten Situationen, wo KI-Tools Ihr Konto gefährden, was Google dazu schreibt und wie Sie sich mit wenig Aufwand absichern.
Die Gefahr liegt in der Schleife
Eine einzelne fehlerhafte KI-Anzeige führt meist zu einer Ablehnung. Ärgerlich, aber im Alltag lösbar. Kritisch wird, was danach passiert.
Beispiel 1: Die Rabatt-Schleife. Ein Fitnessstudio lässt sein Tool Anzeigen für die Frühjahrsaktion erstellen. Das Tool schreibt «50 % auf das Jahresabo». Auf der Landingpage steht ein Rabatt von 20 %. Google lehnt die Anzeige ab. Das Tool erkennt die Ablehnung, formuliert neu («Halber Preis im ersten Jahr») und reicht den nächsten Text ein. Wieder falsch, wieder abgelehnt. Nach dem dritten Durchlauf hat das Konto ein Dutzend Varianten desselben Versprechens eingereicht.
Genau dieses Muster steht in der Richtlinie «Umgehung von Systemen»: das Umgehen von Kontrollmechanismen durch Varianten von Anzeigen, Domains oder Inhalten, die bereits abgelehnt wurden. Eine Ausnahme für automatisierte Tools nennt die Richtlinie nicht.
Google bewertet dabei laut eigener Aussage mehrere Quellen: Anzeige, Website, Konten und Informationen von Dritten. Das einzelne Inserat zählt weniger als das Muster dahinter.
Beispiel 2: Der gut gemeinte Workaround. Eine Marketingverantwortliche bei einem Handwerksbetrieb sieht, dass die Landingpage die Anzeigen blockiert. Sie kopiert die Seite auf eine neue Domain, ändert zwei Sätze und startet die Kampagne dort neu. Sie wollte nur Zeit sparen. Die Richtlinie nennt genau das als Beispiel: neue Websites oder Konten, um Anzeigen zu schalten, die den abgelehnten ähneln.
Beispiel 3: Das Testkonto. Ein Freelancer eröffnet für einen Kunden ein zweites Konto «nur zum Testen», nachdem im ersten Anzeigen abgelehnt wurden. Auch das Verteilen von Verstössen auf zwei oder mehr Konten führt die Richtlinie ausdrücklich auf.
Was die Richtlinie sonst noch abdeckt:
• Cloaking: Google sieht eine andere Seite als der Nutzer. Dazu zählt auch ein Pop-up, das die Seite so blockiert, dass der Google-Crawler den Inhalt nicht prüfen kann.
• Mehrfachkonten: neue Konten nach einer Sperre, um wieder ins System zu kommen.
• Verifizierung: falsche oder gefälschte Angaben im Verifizierungsprogramm für Werbetreibende.
Eine Entwarnung gibt es: Reine Redaktionsfehler wie Formatierung oder Tippfehler führen laut Google nicht zu einer Sperre unter dieser Richtlinie. Gemeint sind Täuschung und Umgehung. Rechtschreibung gehört nicht dazu.
Warum die Anfechtung so schwerfällt
Wer gesperrt wird, kann einen Einspruch einreichen. Google verlangt dafür, dass Sie «gründlich, genau und ehrlich» erklären, was passiert ist. Bei bestimmten Werbetreibenden muss vorher die Verifizierung klappen. Scheitert sie nach drei Versuchen, ist der Einspruch gar nicht mehr möglich.
Hier zeigt sich, warum «die KI hat das gemacht» als Argument ausfällt. Das Konto lautet auf Ihre Firma. Sie müssen erklären können, wer den Inhalt freigegeben hat und was Sie ändern, damit es nicht wieder passiert. Ohne diese Antwort wird jeder Einspruch dünn.
Ein Gedankenspiel macht das greifbar. Sie sitzen vor dem Einspruchsformular. Die Frage lautet: «Wie ist es zu diesem Verstoss gekommen?» Die ehrliche Antwort «Ein Tool hat Varianten generiert, die wir nicht gelesen haben» ist keine gute Ausgangslage. Besser steht, wer schreiben kann: «Jede Anzeige wird vor Schaltung von einer benannten Person gegen die Landingpage geprüft, hier das Protokoll.»
Im Shop zählt jede Zahl im Feed
Im Google Merchant Center gilt eine eigene Regel zur Falschdarstellung (Misrepresentation). Sie verlangt unter anderem, dass der Gesamtpreis inklusive Steuern und Gebühren, alle Versandkosten und die Rückgabebedingungen vor dem Kauf klar ersichtlich sind.
Beispiel 4: Der gerundete Preis. Ein Tool optimiert einen Produktfeed und trägt CHF 89.– ein. Im Warenkorb stehen CHF 89.90, weil die Zahlungsart eine Gebühr erhebt. Für den Kunden sind es 90 Rappen Differenz. Für die Richtlinie ist es ein nicht offengelegter Kostenbestandteil.
Beispiel 5: Die Versandlüge. Eine KI schreibt «Lieferung morgen bei Ihnen» in die Beschreibung. Der Shop versendet aber aus einem Lager im Ausland, die Lieferzeit liegt bei drei bis fünf Werktagen. Wer den tatsächlichen Versandort verschweigt, um schnelle lokale Lieferung vorzutäuschen, steht ausdrücklich auf der Verstossliste. Dazu zählt auch, eine kurze Lieferzeit gross anzuzeigen und längere Bearbeitungszeiten klein zu verstecken.
Beispiel 6: Die falsche Verfügbarkeit. Ein Feed meldet «auf Lager», obwohl der Artikel seit zwei Wochen ausverkauft ist. Weil das Tool den Lagerstand nicht live liest, bleibt der Fehler unsichtbar. Google nennt das «nicht verfügbare Angebote».
Die Konsequenzen sind gestaffelt:
• Nicht verfügbare Angebote: Google kündigt eine Sperre mindestens 7 Tage vorher an.
• Die meisten anderen Verstösse: Sie erhalten eine Warnung und 7 oder 28 Kalendertage Zeit zur Korrektur.
• Schwere Fälle: Google sperrt ohne Warnung, bei Erkennung.
• Prüfung nach der Korrektur: In der Regel 7 Werktage, bei komplexen Fällen länger.
Wer eine Woche ohne Shopping-Umsatz hinnehmen muss, spürt das in der Monatsrechnung. Dazu kommt die Zeit bis zur Korrektur, denn zuerst muss jemand herausfinden, welcher Feed-Wert die Warnung ausgelöst hat.
Die Regel für Shop-Betreiber lautet deshalb: Der Feed geht nie ohne Abgleich mit Warenwirtschaft und Checkout an Google. Eine KI darf Titel und Beschreibungen verbessern. Preis, Verfügbarkeit, Versand und Rückgabe liegen ausserhalb ihres Wirkungskreises.
Wo generische KI an der Region scheitert
KI-Tools kennen Ihren Betrieb nicht. Sie kennen Muster aus Millionen anderer Anzeigen und setzen sie ein, auch wenn sie nicht zu Ihnen passen.
Beispiel 7: Die Filiale, die es nicht gibt. Ein Reinigungsbetrieb mit Sitz im Aargau arbeitet in der ganzen Deutschschweiz. Ein Tool baut hyperlokale Kampagnen für jeden Kanton, um günstigere Klickpreise zu erzielen, und schreibt: «Besuchen Sie unsere Filiale in Zürich». Eine Filiale in Zürich gibt es nicht. Nutzer werden irregeführt, auch wenn der Betrieb dort tatsächlich arbeitet. Korrekt wäre «Reinigung in Zürich» oder «Wir kommen zu Ihnen nach Zürich». Der Unterschied sind ein paar Wörter, und dass sie stimmen, merkt nur jemand, der den Betrieb kennt.
Beispiel 8: Die Garantie, die niemand geben kann. Eine Fahrschule bekommt von ihrem Tool den Satz «Prüfung garantiert bestanden in 10 Lektionen». Kein Fahrlehrer darf das versprechen. Zwei Dinge können passieren: Die Anzeige wird abgelehnt, oder sie läuft durch und die Nachfrage dazu landet bei der Fahrschule, die ein Versprechen erklären muss, das sie nie gegeben hat.
Dasselbe Prinzip gilt für Umzugsfirmen mit Einsatzgebiet statt Standort, für Sicherheitsdienste, die in einer Region nur auf Anfrage ausrücken («24/7 vor Ort in der ganzen Schweiz»), und für Reinigungsinstitute mit begrenzter Kapazität («Termin noch diese Woche»). Jede Branche hat Formulierungen, die für Menschen harmlos klingen und im Kontext einer Anzeige als Versprechen gelten.
Gesundheit und Finanzen: null Spielraum
Noch schärfer sind die Regeln im Gesundheitsbereich. Die Healthcare-Richtlinie von Google untersagt Garantie- und Wunderversprechen. Verlangt wird eine sachliche, belegbare Sprache.
Beispiel 9: Der Praxis-Slogan. Ein Textgenerator schreibt für eine Physiotherapie-Praxis: «Garantiert schmerzfrei in 3 Sitzungen». Auf einem Praxis-Flyer fällt das vielleicht niemandem auf. In einer Google-Anzeige ist es ein Versprechen, das die Richtlinie ausschliesst. Brauchbar wäre: «Physiotherapie bei Rückenschmerzen in Baden. Termin online buchen.»
Dazu kommen weitere Hürden:
• Manche Gesundheitsangebote brauchen eine Zertifizierung, bevor sie Anzeigen schalten dürfen.
• Personalisierte Werbung auf Basis von Gesundheitsmerkmalen ist stark eingeschränkt.
• Eine Anzeige, die dem Nutzer eine bestimmte Diagnose unterstellt («Leiden Sie an …?»), kann Probleme auslösen.
• Dramatische Vorher-Nachher-Bilder gelten in diesem Bereich als Risiko.
Ein weiterer Stolperstein ist die Landingpage. Wenn die Anzeige etwas verspricht, das die Zielseite nicht belegt, steht der Abgleich infrage. Ein einzelnes unzulässiges Produkt auf der Zielseite kann ausreichen, damit die Anzeige abgelehnt wird.
Beispiel 10: Die Finanzanzeige. Ein Treuhandbüro erhält vom Tool den Text «Steuern sparen garantiert». Ob das für den Einzelfall stimmt, weiss das Tool nicht. Wer in der Finanzbranche wirbt, sollte jedes Wort belegen können, bevor es live geht.
Für Therapeuten, Praxen und Finanzdienstleister gilt deshalb ohne Ausnahme: Jeder Anzeigentext braucht einen menschlichen Leser, bevor er live geht. Am besten einen, der Branche und Regeln kennt.
Drei Prüfungen vor jeder Schaltung
Bei GORINI Marketing läuft jede KI-gestützte Kampagne durch dieselben drei Schritte. Sie können sie auch intern einführen.
1. Abgleichen
Stimmen Preise, Rabatte, Leistungen und Standorte im Anzeigentext zu 100 Prozent mit der Landingpage überein? Bei Shops: Stimmt der Feed mit dem Checkout überein? Wir prüfen jedes KI-generierte Anzeigenelement einzeln. Stichproben reichen hier nicht, weil schon eine einzige falsche Zeile ein Muster auslösen kann.
2. Ablehnungen auswerten
Wird eine Anzeige abgelehnt, suchen wir die Ursache und beheben sie. Wir lassen kein Tool Varianten desselben Textes nachliefern. Automatische Regeln, die abgelehnte Anzeigen neu generieren, schalten wir ab. Dieser Schritt unterbricht die Schleife aus Beispiel 1.
3. Namentlich freigeben
Eine benannte Fachperson gibt die Kampagne frei, bevor das erste Budget fliesst. Das schafft den Nachweis, den Sie bei einem Einspruch brauchen: Wer hat geprüft, was wurde geprüft, was haben wir geändert.
Dazu gehört ein regelmässiger Blick ins Konto. Warnungen im Merchant Center und Hinweise in Google Ads landen oft in einem Postfach, das niemand täglich liest. Wir richten deshalb fixe Prüftermine ein und leiten Richtlinienmeldungen an eine zuständige Person weiter.
Was Sie diese Woche selbst prüfen können
Sie brauchen dafür keinen Agenturvertrag. Eine Stunde reicht für die erste Runde.
• Öffnen Sie Ihre fünf aktivsten Anzeigen und vergleichen Sie jeden Preis, jeden Rabatt und jede Leistung mit der Landingpage.
• Suchen Sie in Ihren Anzeigentexten nach den Wörtern «garantiert», «sofort», «Filiale», «vor Ort» und «gratis». Jedes dieser Wörter ist ein Versprechen. Prüfen Sie, ob Sie es halten.
• Prüfen Sie im Merchant Center, ob Preis, Verfügbarkeit und Versandkosten im Feed exakt mit dem Checkout übereinstimmen. Legen Sie dazu einen Testartikel in den Warenkorb.
• Kontrollieren Sie, ob Automatisierungsregeln oder Tools abgelehnte Anzeigen selbstständig neu einreichen.
• Prüfen Sie, wer im Konto Nutzerrechte hat und wer Meldungen von Google erhält.
• Falls Sie in einer Gesundheits- oder Finanzbranche arbeiten: Lassen Sie jeden Text vor der Schaltung von einer Person lesen, die die Branchenregeln kennt.
Die gesparte Zeit gehört teilweise der Kontrolle
KI wertet Daten in Sekunden aus und nimmt Ihnen Stunden an Routine ab. Das bleibt so. Die Frage ist, wohin Sie die gewonnene Zeit stecken.
Wer sie komplett in mehr Anzeigenvarianten investiert, erhöht die Zahl der Fehler, die ein Konto kosten können. Wer einen Teil davon in die Kontrolle legt, behält den Effizienzvorsprung und das Konto. Bei einem Fixpreis, wie wir ihn anbieten, ist diese Kontrolle von Anfang an eingerechnet. Sie zahlen sie nicht erst, wenn etwas passiert ist.
Als zertifizierte Google Partner Firma arbeiten wir mit KI für die Analyse und mit einem Menschen für die Verantwortung. Wenn Sie wissen möchten, wie sicher Ihr Konto heute aufgestellt ist, prüfen wir es gemeinsam mit Ihnen: Anzeigentexte, Landingpages, Feeds und Freigabeprozess.


